Montag, 7. Mai 2012

Schreibtipps aus der Schreibstube

Als Lektorin und Dozentin erlebe ich immer wieder, dass Menschen der Rechtschreibprüfung in MS-Word blind vertrauen. Kleiner Tipp: keine gute Idee! Die Fehlerquote ist zu hoch. "Macht nix, kein Problem", rief letzte Woche eine Kursteilnehmerin. "Denn schließlich gibt's die kostenlosen Rechtschreibprüfungen im Internet, zum Beispiel auf der Duden-Seite."
Schon wieder keine gute Idee. Denn auch hier (http://www.duden.de/rechtschreibpruefung-online) werden viele Fehler nicht erkannt. Oder es werden Fehler angestrichen, die keine sind.
Die kostenlose automatische Rechtschreibprüfung auf der Duden-Homepage dient gleichzeitig als Werbung für die Duden-Korrektur-Software. Vielleicht gibt es deshalb keinen Hinweis darauf, dass diese Prüfung nicht verlässlich ist bzw. sein kann. Denn: Viele Fehler können von einer automatischen Rechtschreibprüfung gar nicht erkannt werden.
Da ist z. B. die Schreibweise von Eigennamen - für Eigennamen gelten aber keine Rechtschreibregeln. Hier muss man also selbst höllisch aufpassen, denn ein falsch geschriebener Name gilt als "no go" im Schriftverkehr. Kommafehler werden ebenfalls meist nicht erkannt, stattdessen wird, wenn überhaupt, ein Nebensatz als Grammatikfehler markiert. Wenn ein Wort in Groß- und Kleinschreibung oder in Getrennt- und Zusammenschreibung existiert, kann ein Fehler ebenfalls nicht erkannt werden (Liebe und liebe, Kinder Garten). Spätestens sobald sich der Sinn und damit die Schreibweise eines Textes erst aus dem Zusammenhang ergibt, unterliegt das elektronische Gehirn dem menschlichen. Probieren Sie es mal aus und geben Sie den folgenden Text in einer x-beliebigen Rechtschreibprüfung ein: Meine Onkel hat sich ohne das wir es ahnten plötzlich verlobt.
Hier wird in der Duden-Rechtschreibprüfung lediglich das "wir" als Grammatikfehler markiert, obwohl der Satz mehrere Fehler enthält. Ein Ergebnis, das zu denken gibt, nicht nur wegen der Heimlichtuerei des Onkels. - Die korrekte Schreibweise: Mein Onkel hat sich, ohne dass wir es ahnten, plötzlich verlobt.
Verantwortlich für dieses und andere Korrekturdesaster ist vor allem die Komplexität der deutschen Sprache. Nichts gegen die kostenlosen Angebote, denn ganz klar ist eine schlechte Rechtschreibprüfung im PC immer noch besser als gar keine, allerdings nur, wenn man sich dessen bewusst ist, dass das Ergebnis nicht unbedingt zuverlässig ist.

Dienstag, 17. April 2012

Bitte unterschreiben!


Es wäre eine Schande für uns alle, die wir uns kulturell engagieren, wenn wir es zuließen, dass das GRIPS schließen muss!

Unterschreibt die Online-Petition. Hier ist der Link:
http://openpetition.de/petition/online/berlin-braucht-grips-eltern-fordern-erhalt-des-beruehmten-kinder-und-jugendtheaters

Sonntag, 15. April 2012

Die Schreibstube unterwegs ...

Sofort nach dem Eintritt in diesen Luxus-Bombast-Laden, der zum Karstadt-Konzern ungefähr so perfekt passt wie eine Heizdecke zum Straßenpenner, sollte man jeden Gedanken daran aufgeben, dass man hier innerhalb eines angemessenen Zeitrahmens das finden könnte, was man sucht. 
Die zuständigen Center-Spezialisten haben sich irrsinnige Mühe gegeben, neueste Marketingstrategien mit den Erfahrungen aus der Forschung mit Rattenlabyrinthen zu kombinieren. Dagegen ist IKEA mit seinen mittlerweile offen (!!!) kenntlichen Abkürzungen ein Wunder an Kundenfreundlichkeit. So sind hier auch Fahrtreppen Mangelware. Wer den Eingang von der Schlossstraße wählt (verständliche, aber dämliche Idee!), kann sich nach dem Passieren einer Unmenge von Accessoires schließlich bis zur Rolltreppe durchschlagen - wer hätte gedacht, dass es so viele Tücher und Schals gibt, von den Schaltüchern und den Tücherschals ganz abgesehen!

Die Fahrt ins Tiefgeschoss Richtung Lebensmittelabteilung endet dann auch - marketinglogisch fundiert - nicht an der Lebensmittelabteilung, die man in der Ferne nur erahnen kann. Bis man dort angekommen ist, gilt es erstmal Hausrat, Porzellan, Töpfe, Pfannen und weißnichwasnoch zu passieren. Das ist vielleicht was für den "Shopping-Genießer", von dem man immer wieder liest, den aber niemals jemand kennengelernt hat. Darunter versteht man wohl Menschen, die einfach so in Kaufhäuser gehen, um sich alles anzukucken und die dann mit einem Haufen Krempel, den sie nicht brauchen, nur wenige Minuten später arm, aber glücklich wieder auf die Straße treten. Um es ein für alle Mal zu klären: Ich gehöre nicht zu diesen Menschen. Wenn ich wo einkaufen gehe, dann weiß ich, was ich will. Und ich reagiere sehr empfindsam auf Versuche, mich von dieser Grundeinstellung abzubringen.
Schließlich ist die lotterleere Lebensmittelabteilung dann doch erreicht. Kurzes Aufatmen, das durch intensiven Käsegeruch aus verschiedenen Verkaufstheken gestoppt wird. Offenbar haben die Marketingspezialisten für Berliner, insbesondere Steglitzer, einen starken Drang zu Stinkekäse ermittelt. Auch hier gehöre ich nicht zum Zielpublikum. Spätestens dieser penetrante Brodem hält mich davon ab, vielleicht mal zu schauen, ob sich nicht zusätzlich was Schönes für den Feierabendtisch findet.
Nun zum Zweck des heutigen Besuchs: "Nein, tut mir leid. Frische Kaninchenkeulen haben wir nicht", entschuldigt sich die freundliche Fachverkäuferin an der Fleischtheke. "Kucken Sie mal nach, ob da noch welche sind", und sie weist aufs Regal nebenan. Tatsächlich findet sich das Gesuchte. Merkwürdiges Konzept: Käse, dass die Heide wackelt, aber kein frisches Kaninchen?
Fazit: großzügig angelegt, riesige Käseauswahl, wenig Kundschaft, kein Vergleich zum "Perfetto" am Hermannplatz. Better luck next time? - Erstmal ab zur Kasse und raus!
(veröffentlicht auf QYPE, 15.04.2012)



Donnerstag, 5. April 2012

So spricht Berlin! - Balinan füa Anfänga (4. Lektion: mang)

Wie jeder Dialekt verfügt auch das Berlinerische über eigene Wortschöpfungen und über Wortrelikte aus anderen Regionen und früheren Zeiten. Zu letzteren gehört das kleine Wörtchen mang. Hierbei handelt es sich um eine Präposition, also um ein Verhältniswort, das die Beziehung zwischen Hauptwörtern (Nomen, Substantiven, Dingwörtern) ausdrückt: "Das Buch liegt auf dem Tisch." (Präposition: auf)
Die Bedeutung von mang ist in etwa: mittendrin, zwischen, unter, mitten unter. Tatsächlich gibt es für mang keine andere genau passende Präposition.
Klare Kiste: Wennse nich nötich jewesen wär, hätten wase ja nich jebraucht - is ja klaa.
Was hier mithilfe von vier Buchstaben ausgedrückt wird, würde ansonsten viel mehr Platz und damit Zeit beanspruchen. - Und die Berliner mögen es gern ruckzuck, hastewaskannste, uff die Schnelle, jetz aba ma los hia! Alles muss schnell gehen: das Denken, das Sprechen und vor allem auch das Verstehen, das Kapiern.
Man sagt also: Ick jehe mang die Leute. Und das bedeutet nicht etwa nur: Ich gehe raus, wo die Leute sind, sondern auch: Ich gehe ins Getümmel, mitten rein.
Verwandt ist mang mit "mengen, Menge", es stammt vermutlich aus dem Mittelhochdeutschen. Ebenso wie beispielsweise die Präpositionen in, an, nach steht es je nach Bedeutung mit Dativ oder Akkusativ. Auf die Frage Wo? steht der Dativ, auf die Frage Wohin? der Akkusativ, zumindest theoretisch. Denn im Berlinerischen wird bekanntlich statt des (korrekten) Dativs häufig der (falsche) Akkusativ verwendet - darüber mehr in der nächsten Lektion!)
Zur Einstimmung kann man hier schon mal üben:
Sie lagen mang die Büsche. (Sie lagen mitten zwischen den Büschen.
Paule schmiss dit Brot mang die Enten. (Paul warf das Brot zwischen die Enten.)
Ick jehe heute mang die Touristen. (Ich gehe heute dorthin, wo sich die Touristen tummeln.)


Mittwoch, 4. April 2012

Sprachgeschluder V


... wenn man sich mal so richtig gruseln möchte!

Freitag, 30. März 2012

Sprachgeschluder IV

Soeben im Werbespot gehört: "Fleisch anbraten - immer wieder eine Herausforderung!"
Hä? Bitte, wie?
Was kommt als nächstes? "Wasser kochen - das letzte ungelöste Problem der Menschheit?"

Freitag, 23. März 2012

Lieblingsseiten

Zur Abwechslung mal ein Link, und zwar einer für Bücherfetischisten wie mich:
http://bookshelfporn.com/
Bücherwände und Regale zum Sichgarnichtsattsehnkönnen!